Going Concern/Unternehmensfortführung

1. UGB als Basis für die Unternehmensfortführung - Going Concern

  • Für die Erstellung des Jahresabschlusses sind primär die Vorschriften des Unternehmensgesetzbuches UGB zu berücksichtigen. Insolvenzrechtliche Vorschriften sind zwar immer von der Geschäftsführung im Auge zu behalten, sind im Jahresabschluss aber lediglich im Sinne des § 225 Abs 1 UGB bei der Erläuterung, ob bei negativem Eigenkapital eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechtes vorliegt, direkt zu beachten.
  •  Das UGB normiert die gesetzliche Fortführungsannahme – Going Concern -, die der Bilanzierung zugrunde zu legen ist. Für diese Fortführungsannahme, das Going Concern Prinzip, sind keine besonderen Nachweise notwendig, wenn ein grundsätzlicher Fortführungswille besteht und eine nachhaltige Gewinnsituation, leicht Zugriff auf finanzielle Mittel und ein positives Eigenkapital vorliegen.

2. Fortführungsprognose - Going Concern Prognose auf Basis der Unternehmensplanung

  • Sollten diese primären Faktoren nicht ohne weiteres vorliegen, ist die Unternehmensplanung für die Beurteilung der Fortführungsannahme – Going Concern Prinzip heranzuziehen. Der Detailliertheitsgrad der Unternehmensplanung richtet sich nach Ausmaß und Wahrscheinlichkeit der der Unternehmensfortführung möglicherweise entgegenstehenden Gründe (eines möglicherweise erheblichen Risikos der Unternehmensfortführung – Gpoing Concern).
  • Die Unternehmensplanung für die Beurteilung der Fortführungsannahme – Going Concern Prinzip reicht von einer reinen Ertragsplanung bis zu einer integrierten Planungsrechnung einschließlich detaillierter Erläuterungen der Annahmen und wesentlichen Unsicherheiten bei den Planungsannahmen.

3. Fortführungsprognose und Fortbestehensprognose

  • Die Geltung der Fortführungsannahme, des Going Concern Prinzips wird mit einer Fortführungsprognose beurteilt. Die Fortführungsprognose ist die Beurteilung der Unternehmensplanung aus dem Gesichtspunkt der Unternehmensfortführung.
  • Davon zu unterscheiden ist die Fortbestehensprognose, die die Beurteilung derselben Unternehmensplanung aus dem Gesichtspunkt des Insolvenzrechtes ist.
  •  Es ist nun klargestellt, dass die Fortbestehensprognose nicht die Unternehmensplanung selbst ist, sondern lediglich die Beurteilung der Unternehmensplanung.

4. Abgehen von der Fortführungsannahme - Going Concern Prinzip

  • Von der Fortführungsannahme – Going Concern ist erst zu einem sehr späten Zeitpunkt abzugehen. Dies ist dann der Fall, wenn hinreichend sichere (das sind substanzielle und in hohem Maße wahrscheinliche) Gründe gegen die Fortführungsannahme – Going Concern vorliegen.
  • Davon zu unterscheiden ist das Nichtvorliegen einer insolvenzrechtlichen Überschuldung und damit eine positive Fortbestehensprognose, die ein wesentlich höheres Maß an Sicherheit verlangt, nämlich eine überwiegende Wahrscheinlichkeit.
  • Beim Abgehen von der Fortführungsannahme – Going Concern ist nicht automatisch auf Liquidationswerte überzugehen. Dies ist erst bei Feststehen der Einleitung eines Liquidationsverfahrens gemäß den rechtlichen Bestimmungen der Fall.
  • Das Abgehen von der Fortführungsannahme vor Liquidation erfordert eine abweichende Bilanzierung mit zB kürzeren Nutzungsdauern und der Bewertung des auf Einstellung ausgerichteten Geschäftsbetriebes.
Abbildung: Abgehen von der Fortführungsannahme - Going Concern Prinzip

5. Prognosezeitraum für die Unternehmensfortführung - Going Concern

  • Der Prognosezeitraum für die Unternehmensfortführung – Going Concern - des UGB umfasst prinzipiell 12 Monate ab dem Abschlussstichtag. Für diesen Zeitraum ist die Fortführungsannahme – Going Concern - zu treffen. Dies entspricht dem üblichen Zyklus von Unternehmensplanungen, die zum Ende des Geschäftsjahres für das folgende Jahr aufgestellt und von den Gremien beschlossen werden.
  •  Sollten sich während der Abschlussaufstellung Probleme herauskristallisieren, wie beispielsweise negative Plan-Ist-Abweichungen, so ist die Unternehmensplanung auf 12 Monate seit dem Abschlusserstellungsstichtag bzw. auf das laufende und das Folgejahr auszuweiten und zu beurteilen (diese Beurteilung ist die Fortführungsprognose).

 6. Anhangsangaben zur Unternehmensfortführung - Going Concern

  • Im Anhang zum Jahresabschluss sind im Kapitel Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden der Grundsatz der Fortführungsannahme – Going Concern - und – falls dies der Fall ist – wesentliche Unsicherheiten im Hinblick auf die Unternehmensfortführung anzugeben. Diese Angabe muss zweifelsfrei auf die Unsicherheiten hinweisen und darf nicht mit möglichen Potentialen „saldiert“ sein.
  • Davon getrennt ist bei negativem Eigenkapital im diesbezüglichen Abschnitt zu erläutern, weshalb keine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechts vorliegt. 
Abbildung: Entscheidungsbaum Fortführungsannahme Going Concern Prinzip
Anton Schmidl, Experte Going Concern/Unternehmensfortführung
Anton Schmidl, Experte für Going Concern/Unternehmensfortführung

Berichterstattung und Publikationen zu Going Concern

Gold-Plating: Österreich als Musterschüler bei EU-Mindestandards

Gastartikel von Anton Schmidl, erschienen im Standard zum Thema Gold Plating. 

Hier geht es zum Artikel: Gold Plating

Going-Concern-Experte Anton Schmidl bei Praxisdialog der Uni Salzburg

Am 25. April war Anton Schmidl, Partner der SOT in Kärnten und SOT AAT in Wien beim Praxisdialog der Universität Salzburg eingeladen und referierte dort über die Kernaussagen des Fachgutachtens KFS/RL 28 der KSW zur Unternehmensfortführung gem § 201 Abs 2 Z 2 UGB. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Universität Salzburg 

Bericht: Unternehmen in der Krise

Going-Concern-Experte und Partner der Crowe I SOT in Wien und Kärnten Anton Schmidl schreibt in der Wiener Zeitung über unternehmerisches Risiko, die Vermischung von Bilanz- und Insolvenzrecht und wie ein neues Fachgutachten für mehr Klarheit sorgen kann.

Den Artikel finden Sie hier

Bericht: Im Zweifel dürfen Unternehmen fortgeführt werden

Beitrag von Going-Concern-Experten Anton Schmidl (Crowe I SOT Kärnten) in der Kleinen Zeitung.

Den Bericht finden Sie hier.

Going Concern: Anton Schmidl als Referent bei AFRAC

Foto: Josef Polleross/ASAblanca.com 

 Am 21.11. referierte Anton Schmidl gemeinsam mit Alfred Brogyányi zum Thema „Unternehmensfortführung gemäß § 201 Abs. 2 Z 2 UGB“. 

Den Bericht, die Bilder und die Unterlagen finden Sie auf der AFRAC-Seite.

Anton Schmidl stellt bei iwp-Fachtagung neues Fachgutachten zu Going Concern vor

Im Rahmen der iwp-Fachtagung stellte Anton Schmidl gemeinsam mit Niklas Hanusch das neue Fachgutachten zu Fragen der Fortführungsannahme gemäß § 201 Abs. 2 Z 2 UGB (Going Concern) vor.

Dabei wurden folgende Fragen beantwortet: 

  • Bis wann kann von der Fortführungsannahme ausgegangen werden?
  • Was sind der Fortführungsannahme möglicherweise entgegenstehende Gründe und wie ist mit damit zusammenhängender wesentlicher Unsicherheit umzugehen?
  • Was ist die Rolle der Unternehmensplanung und was ist der Prognosezeitraum?
  • Fortführungsprognose und Fortbestehensprognose
  • Berichterstattung in Anhang und Lagebericht

Die Fotos und Unterlagen der Tagung finden sie hier: iwp-Fachtagung